Seit dem 1. Januar 2025 ist der Begriff im Umsatzsteuergesetz neu gefasst. Nach § 14 Absatz 1 Satz 3 UStG liegt eine E-Rechnung nur dann vor, wenn die Rechnung in einem strukturierten elektronischen Format ausgestellt, übermittelt und empfangen wird, dieses Format die elektronische Verarbeitung ermöglicht und den Vorgaben der Richtlinie 2014/55/EU entspricht. Maßgeblich ist damit die europäische Normenreihe EN 16931.
Der Unterschied liegt zwischen lesbar und verarbeitbar. Ein PDF zeigt einer Person den Rechnungsinhalt, liefert einem Buchhaltungssystem aber keine auswertbaren Datenfelder. Alles, was diese Anforderung nicht erfüllt, gilt seit 2025 als sonstige Rechnung – auch dann, wenn es elektronisch verschickt wird.
Das ist keine E-Rechnung
Hinweis
Häufig wird die Definition aus der E-Rechnungsverordnung (ERechV) zitiert. Diese Verordnung regelt jedoch Rechnungen an die Bundesverwaltung. Für Rechnungen zwischen Unternehmen ist allein das Umsatzsteuergesetz maßgeblich. Auch die dort geforderte Leitweg-Identifikationsnummer ist im Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen ohne Bedeutung.
Die Pflicht ist in drei Stufen aufgeteilt. Wichtig ist die Trennung zwischen Empfang und Versand: Die Übergangsregelungen gelten ausschließlich für den Rechnungsaussteller. Wer Rechnungen erhält, hatte nie eine Schonfrist.
Die drei Stufen der E-Rechnung
Empfangen
Jedes im Inland ansässige Unternehmen muss E-Rechnungen entgegennehmen können. Für Empfänger gibt es keine Übergangsregelung. Technisch genügt dafür ein E-Mail-Postfach. Ein gesondertes Postfach ist nicht vorgeschrieben, in der Praxis aber sinnvoll.
Versenden ab 800.000 Euro
Unternehmen, deren Gesamtumsatz im Sinne des § 19 Absatz 3 UStG im vorangegangenen Kalenderjahr über 800.000 Euro lag, müssen für inländische Umsätze an andere Unternehmen E-Rechnungen ausstellen. Papier- und PDF-Rechnungen sind für diese Unternehmen dann nicht mehr zulässig.
Versenden ohne Ausnahme
Die Ausstellungspflicht gilt für alle inländischen Unternehmen, unabhängig vom Umsatz. Bis Ende 2027 dürfen Rechnungen zusätzlich über ein EDI-Verfahren übermittelt werden, sofern der Empfänger zustimmt.
Für die Stufe 2027 kommt es auf den Gesamtumsatz nach § 19 Absatz 3 UStG im vorangegangenen Kalenderjahr an (§ 27 Abs. 38 UStG). Für 2027 ist das der Umsatz des laufenden Jahres 2026. Wer die Grenze überschreitet, kann das also bereits jetzt absehen und muss ab der ersten Rechnung im Januar im strukturierten Format ausstellen.
Entscheidungspfad
Müssen Sie ab 2027 E-Rechnungen ausstellen?
Geht die Rechnung an ein anderes Unternehmen mit Sitz oder Betriebsstätte im Inland?
Fällt der Umsatz unter eine Ausnahme (Kleinbetrag bis 250 Euro, Fahrausweis, steuerfrei nach § 4 Nr. 8 bis 29 UStG, Kleinunternehmer)?
Lag Ihr Gesamtumsatz 2026 über 800.000 Euro?
Mögliche Ergebnisse
Keine Ausstellungspflicht
Papier- und PDF-Rechnungen bleiben zulässig. E-Rechnungen empfangen müssen Sie trotzdem.
E-Rechnung ab 1. Januar 2027
Papier und PDF sind nicht mehr zulässig. Bis Ende 2027 darf ein mit dem Empfänger vereinbartes EDI-Verfahren weiterlaufen.
E-Rechnung ab 1. Januar 2028
2027 dürfen Sie noch Papier- oder, mit Zustimmung des Empfängers, PDF-Rechnungen schicken.
Orientierung, keine verbindliche Prüfung.
Maßgeblich ist der Umsatz des Rechnungsausstellers, nicht der des Empfängers. Ein kleineres Unternehmen erhält ab 2027 daher E-Rechnungen von größeren Lieferanten, ohne selbst schon versenden zu müssen. Empfangen und verarbeiten muss es sie trotzdem. Wer diesen Teil abgibt, verlagert die Belegverarbeitung in die laufende Finanzbuchhaltung des Dienstleisters.
Hinweis
Für die Pflicht ab 2027 zählt der Umsatz des Jahres 2026. Das ist das laufende Geschäftsjahr – die Weichenstellung fällt also nicht erst 2027.
Wichtige Werte
| Wert | Höhe | Grundlage | Gültig |
|---|---|---|---|
| Umsatzgrenze für die Stufe 2027 | 800.000 € Gesamtumsatz im Vorjahr | § 27 Abs. 38 UStG i. V. m. § 19 Abs. 3 UStG | ab 01.01.2027 |
| Kleinbetragsrechnung | 250 € brutto | § 33 UStDV | unbefristet |
| Aufbewahrungsfrist für Rechnungen | 8 Jahre | § 14b Abs. 1 UStG | seit 01.01.2025 |
| Leistungsverzeichnis und Abschläge im Anhang (Bauleistungen) | – | BMF-FAQ zur E-Rechnung | befristet bis 30.06.2030 |
Die Ausstellungspflicht betrifft Umsätze zwischen Unternehmen, die beide im Inland ansässig sind. Davon gibt es klar umrissene Ausnahmen.
Ausnahme betrifft nur das Ausstellen
Kleinunternehmer sind nach § 34a UStDV dauerhaft davon befreit, E-Rechnungen auszustellen – sie dürfen weiterhin Papier- oder PDF-Rechnungen versenden. Die Pflicht, eingehende E-Rechnungen entgegennehmen und aufbewahren zu können, gilt für sie seit 2025 unverändert. Dasselbe gilt für alle anderen Ausnahmen in dieser Liste.
Das Gesetz schreibt kein bestimmtes Format vor, sondern verlangt die Einhaltung der Norm EN 16931. In Deutschland erfüllen das vor allem zwei Formate: die XRechnung als reine XML-Datei und ZUGFeRD als Hybridformat, das eine XML-Datei in ein PDF einbettet. Zulässig ist ZUGFeRD ab Version 2.0.1, ausgenommen die Profile MINIMUM und BASIC-WL – diese bilden nicht alle Pflichtangaben strukturiert ab und gelten deshalb nicht als E-Rechnung.
Daneben kommen europäische Formate wie Factur-X, das technisch mit ZUGFeRD 2.x übereinstimmt, oder Peppol BIS Billing in Betracht. Abweichende Formate lassen sich zwischen Aussteller und Empfänger vereinbaren, sofern sich die erforderlichen Angaben korrekt extrahieren lassen. Darauf beruhen die etablierten EDI-Verfahren.
XRechnung und ZUGFeRD
| Merkmal | XRechnung | ZUGFeRD ab 2.0.1 |
|---|---|---|
| Aufbau | reine XML-Datei | PDF mit eingebetteter XML-Datei |
| Lesbarkeit ohne Software | nur über einen Viewer | PDF-Ansicht direkt lesbar |
| Typischer Einsatz | Rechnungen an öffentliche Auftraggeber | Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen |
| Zu beachten | keine Leitweg-ID im Geschäft zwischen Unternehmen | Profile MINIMUM und BASIC-WL sind nicht zulässig |
Der strukturierte Teil ist führend
Bei Hybridformaten wie ZUGFeRD enthält die Datei zwei Darstellungen derselben Rechnung. Weichen sie voneinander ab, gilt der strukturierte XML-Teil. Die sichtbare PDF-Ansicht ist nicht maßgeblich – ein Fallstrick, der erst auffällt, wenn gebuchte Beträge nicht zur Sichtprüfung passen.
Alle nach §§ 14 und 14a UStG erforderlichen Angaben müssen im strukturierten Teil enthalten sein. Ein Verweis auf einen Anhang genügt dafür nicht; Anhänge können nur ergänzende Angaben zur Leistungsbeschreibung aufnehmen. Wird eine Rechnung im Gutschriftverfahren durch den Leistungsempfänger ausgestellt, muss der Rechnungstyp entsprechend gesetzt sein.
Häufigster Fehler: der Leistungszeitpunkt
Der bei Papier- und PDF-Rechnungen verbreitete Zusatz „Leistungsdatum entspricht dem Rechnungsdatum“ reicht bei einer E-Rechnung nicht aus. Der Leistungszeitpunkt ist ein eigenes Datenfeld und gehört ausgefüllt in den strukturierten Teil.
Bauleistungen
Bauleistungen werden über umfangreiche Leistungsverzeichnisse sowie Abschlags- und Schlussrechnungen abgerechnet, die sich im strukturierten Teil nur begrenzt abbilden lassen. Nach den Erläuterungen der Finanzverwaltung genügt es deshalb, im strukturierten Teil die einzelnen Gewerke mit ihren Summen aufzuführen, wenn eine Anlage die Leistung detailliert aufschlüsselt. Ebenso dürfen bereits abgerechnete Abschläge in einer Schlussrechnung in einen Anhang aufgenommen werden. Beide Erleichterungen sind bis zum 30. Juni 2030 befristet. Zur Rechnungsstellung bei Bauleistungen gehört auch die Umkehr der Steuerschuldnerschaft.
Für den Empfang genügt ein E-Mail-Postfach. Empfangen ist jedoch nicht dasselbe wie verarbeiten: Eine E-Rechnung, die als Datei im Postfach liegt und dort ausgedruckt wird, erfüllt den Zweck der Umstellung nicht und wirft bei der Aufbewahrung Probleme auf.
Für jede Rechnung müssen Echtheit der Herkunft, Unversehrtheit des Inhalts und Lesbarkeit gewährleistet sein. Lesbarkeit bedeutet seit 2025 maschinelle Auswertbarkeit des strukturierten Datensatzes. Sicherstellen lässt sich das über ein innerbetriebliches Kontrollverfahren, das einen verlässlichen Prüfpfad zwischen Leistung und Rechnung herstellt – etwa den Abgleich mit Bestellung, Vertrag und Lieferschein.
Vorsteuer: was ab 2027 beim Empfänger passiert
War der Lieferant zur E-Rechnung verpflichtet und schickt trotzdem Papier oder PDF, ist das keine ordnungsmäßige Rechnung und berechtigt dem Grunde nach nicht zum Vorsteuerabzug (Abschn. 15.2a Abs. 1 UStAE in der Fassung vom 15.10.2025). Die Finanzverwaltung lässt den Abzug trotzdem zu, wenn die übrigen Voraussetzungen nachgewiesen sind. Bei einer inhaltlich richtigen und vollständigen Rechnung ist das nach dem BMF-Schreiben regelmäßig der Fall (Abschn. 15.2a Abs. 1a UStAE). Sicherer ist es, beim Lieferanten eine E-Rechnung als Berichtigung anzufordern, die eindeutig auf die ursprüngliche Rechnung verweist.
Rechnungen sind nach § 14b Absatz 1 UStG acht Jahre aufzubewahren. Die Frist wurde durch das Vierte Bürokratieentlastungsgesetz von zehn auf acht Jahre verkürzt. Sie beginnt mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Rechnung ausgestellt wurde. Welche Unterlagen sonst wie lange bleiben müssen, steht in den Aufbewahrungsfristen.
Bei einer E-Rechnung ist zumindest der strukturierte Teil so aufzubewahren, dass er unversehrt in seiner ursprünglichen Form vorliegt und maschinell auswertbar bleibt. Ein Ausdruck, ein Screenshot oder eine nachträglich erzeugte PDF-Ansicht genügen nicht. Es gelten zusätzlich die allgemeinen Anforderungen an die Ordnungsmäßigkeit digitaler Aufzeichnungen, die die Grundlagen der Buchhaltung erläutern: unveränderbare Ablage, Nachvollziehbarkeit von Änderungen und eine Verfahrensdokumentation.
Die Umstellung betrifft weniger die Rechnungsausgabe als den gesamten Belegweg. Wer 2026 über 800.000 Euro Umsatz kommt, sollte die Ausgangsseite bis Dezember testen, alle anderen haben dafür ein Jahr länger.
Ausgangsseite testen
Erstellen Sie testweise eine E-Rechnung im zulässigen Format und lassen Sie sie mit einer Validierungsanwendung prüfen. So fallen fehlende Pflichtangaben auf, bevor die Pflicht greift.
Eingang und Zuständigkeit festlegen
Bestimmen Sie eine Adresse für eingehende E-Rechnungen und wer prüft, freigibt und bucht. Die Rollen bestehen meist schon und wandern nur auf den neuen Weg.
Verarbeitung und Archiv prüfen
Ihr System sollte den Datensatz auslesen und unverändert ablegen. Abtippen oder Ausdrucke erfüllen weder den Zweck noch die Aufbewahrung.
Rechtsgrundlagen
Gesetz§ 14 UStG
Ausstellung von Rechnungen
Definition der E-Rechnung, Ausstellungspflicht zwischen Unternehmen und Übergangsregelungen bis 2028.
Gesetz§ 14b UStG
Aufbewahrung von Rechnungen
Aufbewahrungsfrist von acht Jahren, unversehrte und maschinell auswertbare Aufbewahrung.
Gesetz§ 27 Abs. 38 UStG
Übergangsregelungen
Ausstellungspflicht ab 2027 bei über 800.000 Euro Vorjahresumsatz, ab 2028 für alle, EDI bis Ende 2027.
VerwaltungBMF-Schreiben vom 15.10.2025
E-Rechnung zwischen Unternehmen
Formate, Pflichtangaben, Berichtigung und Vorsteuerabzug bei fehlender E-Rechnung.
Verordnung§ 33 UStDV
Rechnungen über Kleinbeträge
Rechnungen bis 250 Euro brutto sind von der E-Rechnungspflicht ausgenommen.
Verordnung§ 34 UStDV
Fahrausweise als Rechnungen
Fahrausweise sind von der E-Rechnungspflicht ausgenommen.
Verordnung§ 34a UStDV
Rechnungsausstellung durch Kleinunternehmer
Kleinunternehmer sind von der Ausstellung von E-Rechnungen befreit.
Nein. Besteht eine Pflicht zur Ausstellung, ist keine Zustimmung des Empfängers erforderlich, und er kann die Rechnung auch nicht zurückweisen. Umgekehrt gilt: Papier- und PDF-Rechnungen dürfen während der Übergangszeit nur mit Zustimmung des Empfängers versendet werden. Diese Zustimmung kann auch stillschweigend erfolgen, etwa durch Bezahlung.
Eine XRechnung ist eine reine XML-Datei und im Editor nur als Code lesbar. Die Finanzverwaltung stellt unter e-rechnung.elster.de einen kostenlosen Viewer bereit, der die Datei in eine lesbare Ansicht überführt. Buchhaltungssysteme lesen die Daten in der Regel direkt ein. Bei ZUGFeRD entfällt der Schritt, weil die Datei bereits ein lesbares PDF enthält.
Eine bereits versendete E-Rechnung wird nicht überschrieben. Üblich ist eine Stornorechnung, die eindeutig auf Nummer und Datum der Originalrechnung verweist, gefolgt von einer neuen Rechnung mit eigener Nummer. Zulässig ist auch eine Berichtigung durch eine Folgerechnung, sofern sich diese eindeutig auf die ursprüngliche Rechnung bezieht. Bestand für die Originalrechnung eine E-Rechnungspflicht, müssen auch Storno und Korrektur im strukturierten Format vorliegen. Alle Dokumente sind gemeinsam aufzubewahren.
Eine Papier- oder PDF-Rechnung ist dann keine ordnungsmäßige Rechnung. Das trifft vor allem Ihren Kunden beim Vorsteuerabzug, deshalb werden Kunden eine E-Rechnung nachfordern. Sie können die Rechnung berichtigen, indem Sie eine E-Rechnung mit eindeutigem Bezug auf die ursprüngliche Rechnung ausstellen.
Für Barzahlungen gibt es keine Sonderregelung. Maßgeblich ist der Betrag: Bis 250 Euro brutto liegt eine Kleinbetragsrechnung vor, für die keine E-Rechnungspflicht besteht. Darüber gelten die allgemeinen Regeln. In der Praxis erhalten Sie vor Ort zunächst einen Beleg als sonstige Rechnung; die E-Rechnung wird nachgereicht.
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